Pflegende Menschen erleben bei der Versorgung demenzkranker Familienmitglieder oder Partner hohe Anforderungen und Einschränkungen in ihrer Lebenssituation. Die Demenzerkrankten brauchen zunehmend Unterstützung in der Verrichtung alltäglicher Handlungen. Die körperlichen und geistigen Fähigkeiten müssen durch gezielte Angebote möglichst lange aufrechterhalten bleiben. Die hohen Belastungen erfordern, die eigene Gesundheit sorgsam zu beobachten und zu erhalten. Ohne pflegerische und finanzielle Entlastungsangebote ist dies für viele Angehörige kaum möglich.

EDe I unterstützt pflegende Angehörige

Hier setzt EDe I, das Entlastungsprogramm bei Demenz im Kreis Minden-Lübbecke, ein. Dieses Projekt ist als Bundesmodellprojekt zu dem Zweck der Weiterentwicklung der Pflegeversicherung eingerichtet worden.
Das Projekt optimiert die Unterstützung für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen, wobei die pflegepräventiven Ansätze besonders im Fokus stehen. EDe I richtet sich vorwiegend an die pflegenden Angehörigen von an Demenz erkrankten Menschen der Pflegestufen 1 bis 3.
Über 300 Familien haben sich an EDe I beteiligt und Ihre persönlichen Erfahrungen und Schicksale in das Projekt einfließen lassen. Durch die systematische Ausarbeitung aller Daten und Fakten konnte ein Unterstützungsbedarf für jede einzelne Familie festgestellt werden. Individuelle Maßnahmen wurden zusammengeführt und den Familien als Angebot zur Verfügung gestellt. Aus dem umfangreichen Material wurden allgemeingültige Ergebnisse formuliert und Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Pflegeversicherung ausgesprochen. Diese können die regionalen und kommunalen Versorgungsstrukturen und die häuslichen Pflegearrangements schon kurzfristig verbessern. Die Ziele des Projekts, eine erfolgreiche Entlastung der pflegenden Angehörigen und die Stabilisierung der häuslichen Lebens- und Pflegesituation konnten dank EDe I erreicht werden.
Neben den teilnehmenden Familien waren viele Organisationen, aber auch Beratungsstellen oder Verbände in die Vorbereitungen und der Umsetzung des Modellvorhabens involviert.

Mitarbeit von NADel e. V. bei EDe I

NADel e. V. hat das Projekt mit viel Engagement unterstützt. Im Frühjahr 2006 gab es erste Gespräche und einen Kooperationsvertrag für EDe I.
Durch die Nähe zu vielen Familien mit Demenzkranken Angehörigen konnte NADel e. V. über 90% der teilnehmenden pflegenden Angehörigen für eine Teilnahme an EDe I gewinnen. NADel e. V. stellte aus jedem Pflegedienst eine Pflegefachkraft zur Verfügung, die zur Gesundheitsberaterin ausgebildet wurde. Sie beraten heute pflegende Angehörige rund um ihre Möglichkeiten der eigenen Entlastung und Gesundheitsvorsorge. Ihre Kompetenz und Erfahrung in der ambulanten Pflege haben nicht zuletzt EDe I zu einem großen Erfolg werden lassen.

EDe II setzt Unterstützungsarbeit fort

Ende September 2011 schloss EDe II an EDe I an. Dieses Projekt richtet sich an 100 Familien von Demenzerkrankten, die der Pflegestufe 0 bei erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz zugeordnet werden.
In dieser Phase stellen die Betroffenen fest, dass sie sich nicht mehr auf sich selber verlassen können. Sie werden unsicher und ängstlich, manchmal auch gereizt. Hilfe wird häufig reglementierend und einengend erlebt. Auch die Angehörigen sind verunsichert im Umgang mit der Veränderung. 
EDe II trägt dazu bei, ein positives Umfeld der Betroffenen und der Familie zu erhalten. Die pflegenden Angehörigen lernen einen bewussten Umgang mit den kranken Angehörigen. Das Angebot bietet neben Beratungsbesuchen und Schulungen auch personelle Unterstützung bei der Betreuung von Demenzkranken.
EDe II wird in Kooperation mit den Pflegekassen im Kreis Minden-Lübbecke gefördert.

NADel e. V. bei EDe II wieder aktiv

Die Gesundheitsberaterinnen der NADel e. V. Pflegedienste werden auch in diesem Projekt gezielt eingesetzt. Sie begleiten die Familien und führen Beratungsbesuche durch. Die an Demenz erkrankten Menschen werden in das Programm eingebunden, um die eigenen Ressourcen für die Krankheitsbewältigung stärker zu fördern.
In begleitende Fallkonferenzen werden die Beraterinnen unterstützt und das Angebot für die Familien weiterentwickelt.

Die wissenschaftliche Begleitung von Ede hat das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Weidner übernommen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu EDe, den Entlastungsprogrammen bei Demenz.